Die Musik und ich

Ich wurde 1956 in Remscheid geboren und hatte das Glück, von meinem Elternhaus sanft, aber nachdrücklich gedrängt zu werden, ein Instrument zu lernen, woraufhin im Alter von 10 Jahren meine Wahl auf die Klarinette fiel. 

Ein weiterer Glücksfall war mein Lehrer Kurt Hubl, der für mich genau der richtige Lehrer war und mir über die nächsten 9 Jahre dankenswerter Weise ein sehr solides musikalisches und technisches Fundament schuf. Dank ihm und der Musikschule Remscheid brachte ich es sogar einmal gemeinsam mit meinem Duo-Partner Jürgen Tiedtke zu einem 2. Platz beim Landeswettbewerb „Jugend musiziert“.

Mit meinem Eintritt in die Bundeswehr im Oktober 1975, genauer: in die Marine, folgte dann eine längere Zeit wenn überhaupt nur sporadischen Musizierens. Es dauerte bis 1983, bis ich meine Klarinette, die mich zwar immer begleitet hatte, die ich aber berufsbedingt nur noch selten spielen konnte, wieder ernsthaft herauskramte und gemeinsam mit einigen Leuten eine Dixieland-Band gründete. Das ganze war zwar buchstäblich das Ergebnis einer durchzechten Nacht, aber traditioneller Jazz bis zum Swing hatte mich schon immer fasziniert, und nach einigen Monaten begann das damalige Sextett schon recht ordentlich zu klingen und sich im Kieler Raum bald einen Namen zu machen.

Im Sommer 1987 stand ich dann auf einmal vor dem Problem, zwar Verträge für diverse Konzerte in der Tasche zu haben, nur war mir leider inzwischen die Band dafür nach Meinungsverschiedenheiten abhanden gekommen! So rief ich einige musikalische Freunde zusammen, und nach einer ganzen Reihe erfolgreicher gemeinsamer Konzerte gründeten wir im Jahr 1989 die JOLLY JAZZ FOOLS, die inzwischen und für uns damals unvorstellbar am 28. August 2019 ihr immerhin 30-jähriges Jubiläum feiern konnten. In halb Europa, in Weißrussland und in den USA hat die Band in dieser Zeit gespielt, natürlich auch im Fernsehen und hat dabei diverse CDs veröffentlicht.

Zu den für mich eindrücklichsten Erlebnissen in dieser Zeit zählten meine Begegnungen mit einigen der letzten der Großen des Jazz, so mit den Trompetern Max Kaminsky und Doc Cheatham oder dem Klarinettisten Jack Maheu, der noch bei dem Idol meiner Jugend, bei Eddie Condon gespielt hatte. Eddies Biographie „Jazz – We Called It Music“ war das Buch, das meine Begeisterung für den Jazz als Junge maßgeblich mitbestimmt hat und das ich wer weiß wie oft gelesen habe. Mit einem seiner ehemaligen Musiker in New Orleans auf der Bühne zu stehen, das war für mich mit das Größte.

Aber auch in Europa ermöglichte der Jazz mir Begegnungen, über die ich mich heute noch freue und für die ich ungeheuer dankbar bin! Sei es Peter Petrel, mit dem wir eine CD aufnahmen, im TV auftraten und Tourneen machten, sei es große John Evers aus Wien, einer der besten Armstrong-Trompeter und -Kenner Europas, der sich nach einer gemeinsam Session in der Dresdner Tonne am nächsten Morgen im Hotel wie selbstverständlich beim Frühstück zu mir an den Tisch setzte und bis zu seinem Tod 2011 einer meiner liebsten Freude und musikalischer Mentor war, sei es Ken Colyers ehemaliger Pianist Ray Smith oder sei es Lutz Eikelmann, einer der umtriebigsten jüngeren Musiker der deutschen Trad-Jazz-Szene – ohne den Jazz wäre ich diesen wunderbaren Menschen und so vielen anderen niemals begegnet, und mein Leben wäre ärmer gewesen.

Heute bin ich in der beneidenswerten Lage, mich ganz der Musik widmen zu können. Neben traditionellen Jazz und Swing mit meiner eigenen Band spiele ich heute auch noch in verschiedenen Orchestern. Bereits 1986 hatte ich begonnen, zusätzlich zur Klarinette auch Saxophon zu spielen und bin aktuell als 1. Tenorsaxophonist im Projektorchester Schleswig-Holstein, im OP[ku] und in der RMZ Bigband Schleswig-Holstein tätig und unterrichte Klarinette und Saxophon.