Literatur

Bücher waren von Kindesbeinen an immer wesentlicher Bestandteil meines Lebens, auch hierfür bin ich meinem Elternhaus sehr dankbar. Kein Wälzer war mir zu dick, die von meinem Vater hinter theologischer Fachliteratur sorgsam verborgenen Goldmann-Taschenkrimis kannte ich alle, die griechische und römische Götterwelt war mir aus Gustav Schwabs „Sagen des klassischen Altertums“ bestens vertraut, und in Friedrich Gerstäckers Werken bereiste ich schon als Junge Nordamerika. Auch Karl May verschlang ich gierig und Hermann Wouks Romane waren ebenso wie die von James Jones meine persönliche Einführung in den WWII aus amerikanischer Sicht.

Sehr viel gelesen hatte ich also mein ganzes Leben lang, und als ich mich bei Aufnahme meines Zweitstudiums am Englischen Seminar der Universität Flensburg zwischen den Schwerpunkten Linguistik oder Literaturwissenschaft entscheiden musste, fiel mir die Wahl nicht wirklich schwer. 😉

Noch heute bin den Dozenten des Englischen Seminars, besonders dem von mir hoch verehrten Prof. Dr. Werner Reinhart, aber natürlich auch Dr. Geoff Parker und Paula Swan-Jakowski ebenso wie Prof. Hartwig Eckert dafür sehr dankbar, dass sie mir einen echten Zugang zu Literatur, in diesem Fall vorwiegend der amerikanischen, ermöglichten. Vom begeistert-unkritischen Konsumenten entwickelte ich mich unter ihrer Anleitung zum Leser, der Literatur nicht nur verschlingt, sondern sie in ihrem historischen und sozialen Kontext einzuordnen und vor allen Dingen zu interpretieren und damit wahrhaft zu verstehen weiß. Diese Zeit war mit eine der schönsten, und ich fühlte mich geehrt und war glücklich, nach Abschluss meines Studiums eine Tätigkeit als Lehrbeauftragter für amerikanische Kriminalliteratur angeboten zu bekommen, welches ich natürlich begeistert annahm.

Mein Referendariat und meine anschließend Schulkarriere, in der ich es binnen sieben Jahren vom Referendar bis zum Abteilungsleiter und Studiendirektor brachte, waren mit einer weiterer akademischen Karriere dann aber einfach nicht mehr vereinbar. Man kann leider eben nicht immer alles haben …

Aber noch heute lese ich begeistert. Einer meiner am meisten geschätzten Autoren ist der in Deutschland leider nicht so sehr bekannte James Lee Burke, dessen Protagonist Dave Robicheaux die gesellschaftliche Entwicklung der USA in den letzten 60 Jahren in höchst spannenden Kriminalromanen auf das Genaueste und Kritischste begleitet. Auch die übrigen Werke wie die Billie Bob Holland Reihe und die Kurzgeschichten von Jim Burke sind unbedingt lesenswert.

Zwei Bücher der Dave Robicheaux Reihe wurden von Hollywood verfilmt, in den Hauptrollen spielten u. a. Tommy Lee Jones in In The Electric Mist With Confederate Dead und Alec Baldwin in Heaven’s Prisoners. Mit Two For Texas wurde schon in den 70igern eines von Burkes frühen Werken mit Kris Kristofferson in einer Hauptrolle verfilmt.

Im Januar des Jahres 2007 besuchte ich James Lee Burke in seinem Haus in New Iberia, Louisiana um ihn zu interviewen. Das Essen, das seine Frau Pearl für uns gemacht hatte war ein Traum und die Tonbänder mit dem Interview-Mitschnitt sind ein wahrer Schatz für jeden, der sich mit amerikanischer „hard-boiled fiction“ beschäftigt.